Eier-Lobby und Lebensmittelbehörde gegen Vegan-Mayo

Die US-Lebensmittelbehörde FDA und Hampton Creek haben sich geeinigt. Die Behörde warf dem Hersteller veganer Mayo Verbrauchertäuschung vor. Ein Grund: Mayonnaise müsse Ei enhalten. Interne E-Mails offenbaren verschwörerisch anmutende Pläne der Eier-Lobby.

Dass die Lebensmittelbehörde FDA einem Unternehmen auf mögliche Verstöße hinweist, ist zunächst nicht ungewöhnlich. Das kommt jedes Jahr etliche Male vor. Einige andere Punkte im Streit um die vegane Mayo erscheinen hingegen sonderbar. Doch zuerst das Positive: die Einigung.

Hampton Creek darf seine pflanzliche Mayonnaise weiterhin Just Mayo nennen. Im Gegenzug verspricht das Unternehmen kleine Änderungen am Label vorzunehmen, berichten das Wirtschaftsmagazin Fortune  und andere Medien. So werde die Bezeichnung ‚eifrei‘ zukünftig in größerer Schrift erscheinen und die Aufschrift ‚Aufstrich und Dressing‘ hinzugefügt. Außerdem verkleinere man das stilisierte Logo: ein gemaltes Ei mit einer kleinen Pflanze darauf. Eier muss Hampton Creek nicht verwenden – die Zutaten bleiben vegan und unverändert. Die Lebensmittelbehörde FDA bestätigt die Einigung.

Ei-jeijei

Seit einigen Jahren ist die US-amerikanische Eierindustrie beunruhigt. Sie befürchtet Umsatzeinbußen aufgrund der veganen, eifreien Mayonnaise, schreibt die New York Times. Die Eier-Lobby, das American Egg Board, versuchte daraufhin durch Einflussnahme, den Verkauf der pflanzlichen Mayo in den Filialen der Whole Foods-Supermärkte zu stoppen. Damit hat sie mutmaßlich gegen US-Recht verstoßen. Weil es sich um eine staatlich beaufsichtigte Vermarktungsorganisation der Eierindustrie handelt, muss sie sich an bestimmte Regelungen halten. Sie muss transparent agieren, darf politische Entscheidungen nicht beeinflussen und den Handel von Konkurrenzprodukten nicht behindern. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA untersucht den Vorfall nun. Bekannt wurde er durch die Offenlegung interner E-Mails. Dank des Informationsfreiheitsgesetz FOIA kann jeder in den USA Zugang zu Dokumenten staatlicher Behörden bekommen. Wie sinnvoll es ist, dass ausgerechnet die USDA die Untersuchung übernimmt, steht auf einem anderen Blatt. Denn dasselbe Ministerium ist es, welches den Rat des American Egg Board auswählt. Er besteht aus Vertretern der Eierindustrie.

Verschwörung?

„Wollen Sie, dass ich mich mit einigen meiner alten Freunde in Brooklyn in Verbindung setze, um Herrn Tetrick einen Besuch abzustatten?“, fragte einer der Führungskräfte des American Egg Board in einer der internen E-Mails (Josh Tetrick ist der Chef von Hampton Creek). Und der stellvertretende Vorsitzende einer Mitgliedsorganisation des American Egg Board schrieb: „Können wir unser Geld bündeln und ein Kopfgeld auf ihn ansetzen?“. Von Seiten der Betroffenen heißt es, dass es sich dabei um Scherze handelte. Das American Egg Board bittet um Entschuldigung.

Vielleicht ist es auch eine schräge Art mit Konkurrenzdruck umzugehen. Ein Weglachen von Problemen. Die (inzwischen ehemalige) Geschäftsführerin des American Egg Board bezeichnete den rasanten Aufstieg des veganen Mayo-Herstellers Hampton Creek in ihren Mails als „Krise und große Bedrohnung für die Zukunft der Eierindustrie“.

Neben dem erfolglosen Versuch, die vegane Mayonnaise aus Supermärkten zu verbannen, unternahm die Eier-Lobby weitere Schritte gegen die vegane Konkurrenz. So spannte sie einflussreiche Foodblogger ein, die über die Vorteile von Eiern schreiben sollten. Und das taten sie, z.B. hier oder hier. Als Gegenleistung sollte Geld fließen, heißt es in den internen Mails. Mindestens zwei Bloggerinnen bestätigen, dass sie tatsächlich bezahlt wurden.

Begonnen hatte der Mayo-Streit schon vor einigen Monaten. Der Lebensmittelkonzern Unilever klagte gegen das Startup-Unternehmen Hampton Creek. Das American Egg Board unterstütze den Konzern dabei mit Ratschlägen, schreibt die britische Tageszeitung The Guardian. Unilever solle die Lebensmittelbehörde FDA auf die pflanzliche Mayonnaise aufmerksam machen. Es folgte ein massives PR-Desaster, von dem der vegane Mayo-Hersteller erheblich profitierte. Etwas später zog Unilever die Klage wieder zurück. Beobachter gehen davon aus, dass dadurch ein teurer, langwieriger Rechtsstreit vermieden wurde. Die Klage wurde eingangs unter anderem damit begründet, dass Mayonnaise Ei enhalten müsse. Unilever warf dem Startup Verbrauchertäuschung vor.

 

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