Gerichtlich angeordnetes Fleischessen für vermeintliche Vegan-Mutter?

Murphys Law_Gesetz - César Santiago Molina (csm_web) - Flickr - CC BY 2.0

Eine vegane Mutter in Italien müsse ihrem Kind nun Fleisch zu essen geben. Aufgrund einer gerichtlichen Anordnung. So jedenfalls berichten es aktuell mehrere Medien. Doch die Frau ist gar keine Veganerin, wie sie selber sagt.

Zurück geht die Geschichte auf einen Artikel der katholischen Lokalzeitung L’Eco di Bergamo. Auf ihn berufen sich letztlich alle Berichte, die über die „Vegan-Mutter“ schreiben. Doch von vorne: Ein geschiedenes Paar wird sich nicht einig über die Ernährung ihres zwölfjährigen Sohnes. Die Mutter möchte nicht, dass er Fleisch isst. Es ginge ihm ohne gesundheitlich und psychisch besser. Hingegen würde er nach den Wochenenden beim Vater über Bauchschmerzen klagen. Außerdem sei der Junge danach bleich. Der Vater hingegen ist der Meinung, Fleisch sei wichtig für die Entwicklung des Sohnes.

Ähnlich sieht es der Richter, der sich auf die Aussage eines Ernährungsmediziners beruft. Mindestens einmal pro Woche müsse die Mutter ihrem Sohn Fleisch geben, entschied das italienische Zivilgericht in Bergamo. Der Vater dagegen wurde angewiesen, ihm höchsten zweimal am Wochenende Fleisch zu machen. Dass dies der größten Ernährungsgesellschaft der Welt widerspricht, wird außer Acht gelassen. Sie schreibt: „Die American Dietetic Association vertritt die Position, dass eine gut geplante vegetarische Ernährung, inklusive der veganen Ernährungsweise, gesund ist und eine angemessene Nährstoffversorgung bietet. Gut geplante vegetarische Ernährungsweisen sind geeignet für Personen jeden Alters, inklusive Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglingsalter, Kindheit, Jugend, und für Sportler.“

Der Knackpunkt der Geschichte ist, dass die Mutter Makrobiotikerin ist. Eine Ernährungsform, die unterschiedliche Lebensmittel ein- und ausschließt – je nach Lehre. Gegessen werden vor allem Vollkorngetreide und Gemüse. Aber auch Fisch, Eier, Meeresfrüchte und Wildgeflügel können auf dem Speiseplan stehen. Auf der Seite der zu vermeidenden Lebensmittel können es z.B. importiertes Obst und Gemüse, Kartoffeln, Auberginen, Tomaten, Fleisch bestimmter Tiere und Milchprodukte sein.

Vegane Mutter?

Demnach kann eine makrobiotische Ernährung zwar vegetarische oder vegane Züge haben. Letztlich ist es jedoch eine völlig andere Form der Ernährung. Denn sie schließt eine Reihe von Lebensmitteln aus, die für eine vegetarische oder vegane Ernährung wichtig sein können. Auch die zugrundeliegenden Motivationen und Philosophien unterscheiden sich gravierend. Folgerichtig nennt sich die fälschlicherweise als vegan bezeichnete Mutter selber nicht Veganerin. „Ich empfehle, mich nicht als Veganerin zu bezeichnen, das ist eine andere Sache“, zitiert sie die L’Eco di Bergamo. Zur Erinnerung: Das ist die Lokalzeitung, die die Geschichte ins Rollen brachte.

Wie genau sich die Frau ernährt, bleibt offen. Fleischlos scheint es zu sein. Vielleicht isst sie aber auch manchmal Fisch, womit sie laut Begriffsdefiniton keine Vegetarierin mehr wäre. Dann wäre sie Pescetarierin.

Unklar ist auch, ob die Mutter ihrem Sohn wirklich verboten hat, Fleisch zu essen. Und, ob sie ihm ihre makrobiotische Ernährung aufgedrängt hat. Falls ja, ist dies zu verurteilen. Außerdem: Zwang motiviert den Jungen bestimmt nicht, sich fleischlos zu ernähren. Vermutlich würde er spätestens mit Erreichen der Volljährigkeit erst recht Fleisch essen wollen. Oder er schlägt sich bei Papa den Bauch voll…

Veganerin ist die Frau jedenfalls nicht.

 

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