Autohersteller VW betont vegane Ernährung

Suppe - vegan - Wolfgang Wildner - Flickr - CC BY-ND 2.0

Vegan ist mehr als dünne Suppe …

Der Automobilhersteller Volkswagen wirbt für eine vegan-vegetarische Ernährungsweise. Sein Auslieferungszentrum für Neuwagen, die VW-Autostadt, hebt die gesundheitlichen und ökologischen Vorteile hervor. In den Restaurants der Autostadt gibt es nun auch vegane und vegetarische Gerichte.

Unter dem Motto „vital – vegetarisch – vegan“ zeigt die VW-Autostadt sowohl Vorteile, als auch mögliche Risiken auf (falls man es falsch macht). Dabei berufen sie sich auf wissenschaftliche Quellen. Demnach haben Veganer das geringste Risiko an Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck zu erkranken. Im Vergleich zu Fleischessern sei es bei Diabetes um 49% geringer; bei Vegetariern um 46%. Herz-Kreislauf-Erkankungen wie Herzinfarkte, Arteriosklerose, Thrombose und Schlaganfälle kämen bei Veganern 26% seltener vor als in der allgemeinen Bevölkerung. Bei Vegetariern seien es 34%. Auch an Krebs würden Veganer und Vegetarier seltener erkanken. Hinzu komme, dass die vegane Ernährung die umwelt- und klimafreundlichste sei. Um die Vorteil einer pflanzlichen Ernährung genießen zu können, solle man allerdings auf eine ausreichende Nährstoffzufuhr achten. Vitamin B12 sollten Veganer über genügend angereicherte Lebensmittel und/oder Nahrungsergänzungsmittel sicherstellen (Übrigens für die Kritiker: Dem Tierfutter der Tiere, dessen Fleisch Mischköstler essen, werden ebenfalls Nährstoffe zugefügt, auch Vitamin B12. Warum also den Umweg über das Fleisch nehmen?).

Milch und Eier können Medikamentenrückstände von Antibiotika und Wurmkuren enthalten. Zudem sei die Verfütterung gentechnisch veränderter Futterpflanzen „ein Gesundheitsrisiko für die Verbraucher“, dass „bei Milchprodukten nicht auszuschließen“ sei. Diese Risiken ließen sich verringern, wenn man auf Bio-Produkte setze. Milch enthalte außerdem die Wachstumsfaktoren (IGF-1⁄IFG-2), die mit der Krebsentstehung in Verbindung gebracht werden. Als Alternative dazu verweist die VW-Autostadt auf pflanzliche Hafer- oder Dinkelmilch. In Eiern wiederum sei zu viel Cholesterien. Auch würden sie von allen Lebensmitteln am meisten Fäulnisbakterien enthalten.

Betrieben wird die VW-Autostadt von der Autostadt GmbH. Sie gehört zur Volkswagen AG. In den zehn Restaurants des Unternehmens stehen nun auch vegane und vegetarische Gerichte auf der Speisekarte. Ausdrücklich gekennzeichnet sind sie nicht. Da aber die Zutaten angegeben werden, können Interessierte erahnen, welche Menüs vegan sind. Oder sie fragen nach. Offenbar ist es jedoch so gewollt, das der Kunde gar nicht unbedingt merkt, dass er etwas rein pflanzliches bestellt. An veganen Speisen gibt es beispielsweise Tempura von Blumenkohl und Brokkoli mit Petersilien-Sojaghurt und gebratenem Wurzelgemüse, pflanzliche Pizza, Seitan-Gulasch, Currywurst, Gemüse-Lasagne, Eis, Joghurt, Paradeisersuppe, Salate mit Seidentofu-Dressing, Himbeerkuchen und Zitronenkuchen. Sogar im sogenannten „Beefclub“, in dem es ansonsten viel Fleisch gibt, kann man jetzt Veganes essen. Z.B. Zucchini-Kirschtomate-Gemüse mit Räuchertofu, gebratenen Kartoffeln und Paprika-Sauce.

Aus veganer Sicht sind diese Entwicklungen sicher zu begrüßen. Auf der anderen Seite sollte man sich auch keiner Illusion hingeben: Denn trotz der Fortschritte trägt das Unternehmen mit seinen Automobilen erheblich zum Klimawandel bei, was wiederum Menschen, Tieren und Umwelt schadet. Zwar trägt die Tierhaltung mehr zum Klimawandel bei als der gesamte Verkehrssektor weltweit. Aber letztlich ist es wichtig, die Treibhausgase beider Ursachen zu verringern. Da passt die betriebseigene Wurstproduktion von VW nicht hinein. Denn leider ist sie weder vegetarisch, noch vegan.

Und jetzt ratet mal, wer sich gar nicht darüber freut. Richtig, der Bauernverband. Dieser vermutet hinter dem Kürzel VW eine Botschaft: „Vegan-Warrior“ (ja, ernsthaft!). Und das Landwirtschaftsmagazin top agrar titelt „Unerhört: VW weist Kunden auf „Gefahren“ tierischer Produkte hin“.

[Update: 11. Mai 2015] Die VW-Autostadt hat die Internetseiten zu den Vorteilen vegan-vegetarischer Ernährungsweisen gelöscht. Mehr zu dem Thema und Screenshots der Seiten vor der Löschung gibt es hier.

 

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10 Responses to “Autohersteller VW betont vegane Ernährung”

  1. Fahrradfahrer haben da wohl NOCH ein geringeres Risiko an den genannten Krankheiten zu krepieren 😉 … Aber gut, der Weg ist das Ziel

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  2. Okay, na wer hätte denn damit gerechnet?

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  3. Hallo VW – ein großes Lob für Eure Initiative. Ist ja sonst schwer genug überhaupt irgendwo veganes Essen zu bekommen. Wenn ihr nun auch noch ein veganes Auto herausbringt, dann werde ich als nächstes einen VW kaufen. Das würde mich überzeugen!

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  4. Wieder zeigt sich, wie die Rolle der Industrie im Leben der Menschen wächst. Es ist nicht der Staat, es ist ein Unternehmen, das Werte vertritt und Anreize schafft. Man könnte fast von einem Bildungsauftrag sprechen. Eine Erhöhung der Lebenserwartung bzw. Senkung der Krankheitshäufigkeit liegt im Interesse des Unternehmens, ganz so wie es im Interesse des Staates liegt, eine gesunde produzierende Volksmasse zu haben.

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